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„Dirty Writing. Das Schreiben schamloser Texte. Ein Übungs- und Inspirationsbuch“ von Ines Witka

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Ist dieses Inspirationsbuch wirklich ernst gemeint? Soll dieser Ratgeber den Autoren und Autorinnen erotischer Texte beim Schreiben helfen? Oder ist es vielleicht eine clevere Satire? Diese Fragen stellten sich mir nach der Lektüre des Buches, und eine klare Antwort darauf lässt sich nicht so leicht finden. Eins kann man sofort sagen: Wer professionelles Schreiben erotischer Texte lernen möchte, sollte von diesem Machwerk die Finger lassen.

Warum? Dreht man das Buch um und schaut in den Klapptext, so fällt einem sofort die Überschrift ein: „Ein Mitmachbuch“. Von einem „Schreibratgeber“ ist nirgends die Rede. So fragte ich mich mehrfach beim Lesen: Möchte die Autorin mir „helfen“, meine eigene Sexualität zu entdecken und mein Liebesleben auf Vordermann zu bringen? Oder geht es hier doch irgendwie auch ums Schreiben? Denn viele Tipps lesen sich mehr als fragwürdig: „Vergessen Sie nicht, es selbst auszuprobieren. {…} Tragen Sie rote Stilettos zur Röhrenjeans. Fühlen Sie, wie die Höhe der Absätze Ihre Beine verlängert, wie Ihre Beine hinaufführen zu Ihrer Vulva, wie sich der Hüftschwung auf Ihr Becken überträgt und Sie stimuliert.“ (Seite 74)

Sicherlich basiert gutes Schreiben auch ein Stück auf den eigenen (Lebens-)Erfahrungen. Doch wie der russische Schriftsteller Maxim Gorki einst gesagt hat: „Man muss nicht in der Pfanne gelegen haben, um über einen Schnitzel zu schreiben.“ Auch ein Mann, der keine Stilettos getragen und somit gespürt hat, wie irgendwas zu seiner nicht vorhandenen Vulva hinaufführt, kann einen wunderbaren erotischen Text aus der Sicht einer Frau schreiben. Wie? Vielleicht, indem er gute erotische Texte liest und sie analysiert, indem er den einen oder anderen guten Schreibratgeber über erotische Literatur konsumiert, in dem er recherchiert, mit Frauen über dieses sensible Thema spricht, und und und.

Die Analyse guter erotischer Literatur bleibt in diesem Ratgeber leider weitgehend aus. Dafür widmet sich ein Kapitel dem „Bad Sex in Fiction"-Award für renommierte Autoren. Diesen Abschnitt schließt Ines Witka mit Worten: „Ich persönlich fände es natürlich toll, diesen Preis zu erhalten, denn es bekommen ihn namhafte Autoren, für Romane, die oft mit anderen Preisen, wie dem renommierten Booker Preis, ausgezeichnet sind und nur die Sexszenen als nicht gelungen gelten.“ Das von einer Autorin erotischer Romane zu hören, ist mehr als fragwürdig.

Auch viele Übungen in diesem Buch lassen mich als Leserin kopfschüttelnd zurück. So findet man auf der Seite 31 den Vorschlag: „Beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu Ihrer Vulva, Ihrem Penis, früher und heute. Mögliche Anfangssätze: Du hast da unten nichts … {…} Meine Mumu ist eine sich öffnende Blume … {…} Mit dieser Kanone werde ich die Welt erobern …“. Wie man daraus zum Schreiben guter erotischer Texte kommt – diese Frage bleibt leider unbeantwortet.

Um fair zu bleiben, muss ich natürlich sagen, dass es durchaus ein paar Schreibtipps gibt. So lesen wir auf der Seite 67: „Sie fragen sich sicher auch: Wie fessele ich einen Leser an meine Geschichte, sodass er das Buch nicht mehr aus der Hand legen will? Mit dem Anfang haben Sie seine Aufmerksamkeit erregt, haben ihn vermuten lassen, dass er Ihre Geschichte genießen wird, haben ihm auf der ersten Seite zum Beispiel eine Ahnung von einem großen Konflikt gegeben oder ihm eine Person vorgestellt, die etwas unbedingt will. Dieses Interesse muss nun über viele Seiten aufrechterhalten werden.“ Solche Tipps sind in diesem Buch aber eher in homöopathischen Dosen vertreten.

Fazit: Sie hatten einen aufregenden Puff-Besuch und möchten ihn auf dem Papier verewigen? Dann ist dieses Buch definitiv für Sie. Ansonsten: Statt nun das Verhältnis zu Ihrer Vulva oder Ihrem Penis zu analysieren, greifen Sie lieber zu besseren Schreibratgebern.

Olga A. Krouk

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