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„Spannung – der Unterleib der Literatur“ von H. P. Roentgen

Spannng roentgen

Als vor mehr als zehn Jahren der erste Ratgeber von Hans Peter Roentgen „Vier Seiten für ein Halleluja – ein Schreibratgeber der etwas anderen Art“ erschien, war ich voll des Lobes. Der Autor hatte eine sehr interessante Methode ausgewählt, angehenden Schriftstellern die trockene Schreibtheorie beizubringen. Anhand von Texten, die er in seiner Laufbahn als Lektor/Romancoach bearbeitete, konnte H.P. Roentgen an konkreten Beispielen zeigen, woran viele Manuskripteinsendungen bei Verlagen scheitern. Seine Botschaft: Ein Lektor liest bloß vier Manuskriptseiten, dann fällt bereits seine Entscheidung, ob die Einsendung abgelehnt wird oder eine Chance bekommt.

In „Spannung – der Unterleib der Literatur“ wärmt H. P. Roentgen sein erfolgreiches Konzept wieder auf. Auch hier werden dem Leser Ausschnitte aus Manuskripten gezeigt und anhand dieser Texte besprochen, wie „Spannung“ funktioniert. Beziehungsweise warum sie in den besagten Beispielen nicht wirklich zustande kommt und welche Änderungen mehr Erfolg versprechen könnten. Dabei offenbart dieser Ratgeber zwei große Probleme: Zum einen wirkt das Konzept weniger strukturiert als in „Vier Seiten für ein Halleluja“. Spannung ist eben ein sehr komplexer Begriff – den der Autor am Anfang leider nicht näher erläutert. Die fehlende Spannung kann nämlich an der schwachen Romanstruktur liegen, an den unmotivierten Figuren, an der – oft nicht vorhandenen - Konfliktentwicklung oder an passiven Beschreibungen. Das alles in einem eher schmalen Buch abzudecken, ist sicherlich nicht einfach.

Zum anderen: Es gibt die eine oder andere Wiederholung zu „Vier Seiten für ein Halleluja“, denn auch dort behandelt der Autor Themen wie Rückblenden, Perspektiven und ähnliches. Die Frage zu beantworten, wie viel Neues dieser Ratgeber tatsächlich vermittelt, ist nicht einfach. Gerade die etwas erfahreneren Autoren haben das Meiste sicherlich schon einmal gehört.

Ab Seite 113 gibt es keine wirklichen Lektionen mehr – es folgt eine Reihe an Textbesprechungen aus erfolgreichen, bereits veröffentlichen Büchern. Diese Besprechungen sind leider sehr kurz gehalten und mehr oder minder eintönig: Es wird nur gelobt. Eine richtig tiefgehende Auseinandersetzung mit den veröffentlichten Beispielen sucht man vergeblich. Dadurch entsteht der Eindruck: Was veröffentlicht wurde und erfolgreich verkauft wird ist per se großartig. Eine sehr schwierige Botschaft, gerade für angehende Autoren, die ohnehin unter einem enormen Erfolgsdruck stehen.

„Praktische Hilfen“ und „Checklisten“ sind die nächsten Bereiche des Buches, denen leider etwas an Struktur fehlt. So hat man das Gefühl, als wolle der Autor sein gesamtes Wissen auf den wenigen Seiten unterbringen. Und das kann man nicht, ohne bloß an der Oberfläche zu kratzen.

Schließlich folgen Interviews mit veröffentlichten, erfolgreichen Autoren, was eher als Füllmaterial für das Buch wirkt. Und am Ende erwartet die Leser ein „Lexikon der Fachbegriffe“, zu dem der Autor im Vorwort schreibt: „Last but not least erklärt ein Lexikon all die Fachbegriffe, über die Sie schon immer gestolpert sind und die Ihnen niemand erklärt hat“. Aber das stimmt so natürlich nicht, denn auch andere Ratgeber liefern durchaus Definitionen, was man unter Begriffen wie „Protagonist“, „Cliffhanger“ oder „Genre“ versteht.

Bei all der Kritik darf man allerdings nicht vergessen: Das Buch bespricht durchaus einige wichtige Theoriegrundlagen und schafft es, gute Denkanstöße zu vermitteln. Dieser Ratgeber richtet sich vor allem an absolute Anfänger, die noch nicht viel Erfahrungen mit dem Schreibhandwerk gemacht haben. Ein weiterer guter Punkt ist, dass die Autorenneulinge dazu animiert werden, andere Texte analytisch zu lesen, was eine positive Wirkung auf die eigene Entwicklung zeigen kann.

Fazit: „Spannung – der Unterleib der Literatur“ vermittelt nicht wirklich etwas Neues, und wer bereits einiges Wissen angesammelt hat, wird mit dem Buch nichts anfangen können. Doch für diejenigen, die am Anfang ihres Autorenweges stehen und durch praktische, konkrete Beispiele in die Theorie des Schreibens reinschnuppern wollen, kann dieser Ratgeber einen geeigneten Einstieg in die Thematik liefern.

Olga A. Krouk

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